Warum eine eigene Tochtergesellschaft?
Die Eigensanierung durch die dTD hält Aufträge und Geldflüsse im Konzern. Externe Fachfirmen für Asbestsanierung gibt es am Markt. Welchen Vorteil hat die Eigensanierung — für die Mieter?
Unternehmensstruktur
Seit 2022 saniert die degewo-Tochterfirma dTD die asbestbelasteten Wohnungen des eigenen Mutterkonzerns — ohne dokumentierte unabhängige externe Qualitätskontrolle.
Unternehmensstruktur
degewo Technische Dienste GmbH (dTD) ist eine hundertprozentige Tochterfirma der degewo. Sitz: Mehrower Allee 52, 12687 Berlin. Handelsregister: AG Charlottenburg, HRB 45731 B.
Die Firma wurde am 30.12.1992 als „Saka Sammelkanal- und Service-GmbH“ gegründet — ein Kanalreinigungs-Dienstleister. 2009 wurde sie in „degewo Technische Dienste GmbH“ umbenannt; spätestens seit Januar 2010 besteht ein Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag mit der degewo AG. Wann die Firma in den Konzern kam, ist öffentlich nicht dokumentiert. Erst im April 2022 erhielt dTD die vollständige LAGetSi-Zulassung für Abbruch- und Sanierungsarbeiten mit Asbest — für fest gebundenen Asbest war sie bereits zuvor zertifiziert, seit 2022 auch für schwach gebundenen. Die heutige Kernaufgabe — Asbestsanierung — war nicht der ursprüngliche Unternehmenszweck.
Geschäftsführer: Gerald Gaedke (Dipl.-Ing. FH). Prokuristen laut Handelsregister: Larissa Lautenschläger, Jacqueline Brüschke, Konstantin Sebastian Wilhelm, Silko Heyer — sowie von Januar 2017 bis Mai 2026 Kai-Marten Maack.
Kai-Marten Maack, seit dem 1. Mai 2026 Vorstand der degewo AG (Nachfolger von Christoph Beck), war laut Northdata (Handelsregister-Bekanntmachungen) vom 20. Januar 2017 bis zum 8. Mai 2026 Prokurist der dTD. Das Erlöschen seiner dTD-Prokura wurde am selben Tag ins Handelsregister eingetragen wie seine Vorstandsbestellung. In der offiziellen Vorstands-Vita auf degewo.de ist die dTD-Prokura nicht aufgeführt. Die Konzernzuständigkeit für die dTD liegt seit dem Vorstandswechsel im Ressort von Pascal Atzert (Vorstand seit 15. November 2025).
Quelle — Northdata: Kai-Marten Maack (Handelsregister AG Charlottenburg, HRB 45731 B; abgerufen 20.08.2026); Prokura-Erteilung 20.01.2017 wörtlich bestätigt via Webvalid (Archivkopie 20.08.2026); degewo.de „Vorstand & Aufsichtsrat“ (Archivkopie 20.08.2026)
Zwischen dTD und der degewo AG besteht ein Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag (eingetragen im Handelsregister am 11.01.2010). Das bedeutet: Sämtliche Gewinne der dTD fließen an die degewo AG. Die degewo beauftragt die Sanierung, die dTD führt aus, die Gewinne fließen zurück. Ein geschlossener Kreislauf.
Zentrale Frage: Warum wurde eine Kanalreinigungs-Firma umfunktioniert, um die Asbestprobleme des eigenen Mutterkonzerns zu sanieren — und warum fließen die Gewinne zurück?
Konflikt
Die zentrale Problematik liegt in einem strukturellen Interessenskonflikt: Das Unternehmen, das die Asbestbelastung über Jahrzehnte nicht aufgearbeitet und nicht kommuniziert hat, saniert nun seine eigenen Versäumnisse.
dTD wurde kein unabhängiges externes Qualitätskontrollunternehmen zur Seite gestellt. Die degewo nennt ihre Vertragspartner für die Schadstoffbeprobung nicht — „aus Gründen der Vertraulichkeit“ (Drs. 19/18 489, Antwort zu 2). Es gibt keine öffentlich dokumentierten neutralen Dritten, die überprüfen, ob die Sanierungsarbeiten den erforderlichen Standard erfüllen.
Aus ökonomischer Sicht schafft dieses Modell falsche Anreize. Die degewo hat ein Interesse daran, die Sanierungskosten zu minimieren — schließlich sind das ihre eigenen Mittel. dTD unterliegt als Tochterfirma dem gleichen Kostendruck. Schneller sanieren, weniger Aufwand für Qualitätssicherung, minimale Nachbesserungen — all das kann zu einer Reduktion der Sanierungsqualität führen.
Für die Mieter entsteht dadurch ein erhebliches Risiko: Unzureichend sanierte Wohnungen führen zu fortgesetzter Asbestexposition. Die langfristigen Gesundheitsfolgen sind bekannt — Mesotheliom, Asbestose, Lungenkrebs.
Ein weiterer Aspekt: Fehler bei der Sanierung durch ein unternehmenseigenes Tochterunternehmen sind weniger öffentlich als Fehler durch externe Sanierungsfirmen. Dies gibt dem Konzern zusätzliche Kontrolle über das Narrativ der Asbestsanierung.
Finanzielle Dimension
rund 240 Millionen bis 1,2 Milliarden Euro
Basierend auf 23.883 asbestbelasteten degewo-Wohnungen inkl. Verdacht (Stand 31.12.2025, Drs. 19/25 368) und Sanierungskosten von 10.000 bis 50.000 Euro pro Wohnung (obere Bandbreite umfassender Sanierungen).
Diese Kostendimension ist existenzbedrohend für jedes Wohnungsunternehmen — auch wenn es sich um ein landeseigenes Unternehmen handelt, das bei Bedarf vom Senat gestützt wird.
Das Problem ist nicht, dass die dTD zwangsläufig schlecht arbeitet — dafür gibt es keine öffentlichen Belege. Das Problem ist strukturell: Wenn ein Unternehmen seine eigene Arbeit kontrolliert, fehlt die unabhängige Qualitätssicherung. Die degewo beauftragt die dTD, die dTD führt aus, und die degewo nimmt ab. Eine externe, unabhängige Überprüfung der Sanierungsqualität ist öffentlich nicht dokumentiert.
Asbestsanierung erfordert besondere Sorgfalt — schwach gebundenes Asbest verzeiht keine Fehler. Ob diese Sorgfalt in jedem Fall gewährleistet wird, lässt sich ohne unabhängige Prüfberichte nicht beurteilen. Genau das ist das Transparenzproblem.
Der Gebäudekomplex Schlangenbader Straße umfasst 1.215 Wohnungen und 20 Gewerbeeinheiten laut Drs. 19/18 489 — Pressequellen 2022/2024 nennen 1.548 — alle potenziell schadstoffbelastet. In 11 Jahren (2013–2024) wurden dort über 500 Wohnungen saniert. Der erste Sanierungsblock (Wiesbadener Str. 59 A–C, rund 130 Haushalte) soll laut Presse im 4. Quartal 2026 fertig werden; über die Ausweitung auf den übrigen Bestand will die degewo Anfang 2027 entscheiden. Die Bezugsgrößen unterscheiden sich und werden bewusst getrennt geführt: rund 470 Wohnungen gelten im Gesamtkomplex als asbestbelastet (Bodenbelag, Pressequellen 2026); 500 von 1.215 sind saniert bzw. Gesamtbestand laut Drs. 19/18 489. Quelle — Drs. 19/18 489, Antworten zu 1, 3 und 10
Kontrolle
Die Eigensanierung durch die dTD hält Aufträge und Geldflüsse im Konzern. Externe Fachfirmen für Asbestsanierung gibt es am Markt. Welchen Vorteil hat die Eigensanierung — für die Mieter?
Wenn die degewo ihre Tochter beauftragt und deren Arbeit selbst abnimmt — wer prüft unabhängig? Welche externen Inspektionen und Messungen finden statt?
Gibt es ein öffentlich dokumentiertes Verfahren für Nachbesserungen und Beschwerden?
Gibt es ein Beschwerdeverfahren? Können Mieter eine unabhängige Nachprüfung verlangen?
Oder werden sie als interne Geschäftsinformationen des Konzerns behandelt?
Die Sanierung wird aus öffentlichen Mitteln und Mieteinnahmen bezahlt. Fließen diese Mittel über die dTD zurück in den Konzern — statt an unabhängige Sanierer im Wettbewerb?
Quellen — Handelsregister AG Charlottenburg, HRB 45731 B; Drs. 19/18 489 (Schlangenbader Straße, 20.03.2024); degewo Pressemitteilung „Fachkompetenz bei der Asbestsanierung“. Öffentlich zugängliche Informationen zur Sanierungsqualität der dTD liegen bisher nicht vor.
Die degewo Technische Dienste ist Teil der degewo-Unternehmensgruppe. Erfahren Sie mehr über die Strukturen, Personen und finanzielle Verflechtung.